Autor: David Monahan
Business Development Manager, Wildlife & Asset Protection TE Connectivity
Da die Stromnetze zur Unterstützung von Elektrifizierung, erneuerbaren Energien, Rechenzentren und industriellem Wachstum ausgebaut werden, steigen die Anforderungen an Energieversorgungsunternehmen, eine sowohl zuverlässige als auch umweltverträgliche Infrastruktur bereitzustellen.
Ein zunehmend wichtiger Schwerpunkt ist die Vermeidung von Vogelkollisionen. Freileitungen können für Vögel ein Kollisionsrisiko darstellen, insbesondere wenn Übertragungs- und Verteilnetzkorridore Feuchtgebiete, Flugrouten, Gewässer und andere sensible Lebensräume durchqueren. Für Energieversorgungsunternehmen und Projektentwickler stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob Maßnahmen erforderlich sind, sondern wie sich wissenschaftlich fundierte, praxistaugliche und skalierbare Lösungen umsetzen lassen.
Eine systematische US-amerikanische Studie schätzt, dass jährlich 12 bis 64 Millionen Vögel an Stromleitungen in den USA zu Tode kommen [1]. [1]
Vogelschutzmarker zählen zu den praktikabelsten Maßnahmen zur Kollisionsvermeidung an bestehenden Freileitungen, insbesondere wenn eine Änderung der Trassenführung oder eine Erdverkabelung nicht realisierbar ist. Sie lassen sich gezielt an einzelnen Spannfeldern nachrüsten und in besonders risikoreichen Korridoren einsetzen, ohne dass eine umfassende Neuauslegung des Systems erforderlich ist.
Allerdings sind nicht alle Vogelschutzmarker gleichermaßen wirksam.. Unterschiede hinsichtlich Größe, Kontrast, Bewegung, Sichtbarkeit bei schlechten Lichtverhältnissen und Abstand können beeinflussen, wie früh Vögel eine Linie erkennen und ihren Kurs ändern. Daher vollzieht sich ein Wandel von der allgemeinen Leitungsmarkierung hin zu einer leistungsbasierten Auswahl von Vogelschutzmarkern.
In der Vergangenheit orientierten sich einige Ausführungen von Vogelschutzmarkern an der menschlichen Wahrnehmung: War eine Markierung für Menschen sichtbar, wurde angenommen, dass auch Vögel sie erkennen können. Forschungsergebnisse zum Sehvermögen von Vögeln zeigen jedoch, dass dieser Ansatz nicht ausreicht.
Vögel nehmen ihre Umgebung anders wahr als Menschen. Viele Vogelarten nutzen vorwiegend das seitliche Sehen, nehmen Objekte im vorderen peripheren Gesichtsfeld wahr und verfügen bei schlechten Lichtverhältnissen über eine geringere Sehschärfe. Eine Markierung, die für Menschen gut sichtbar erscheint, wird von einem fliegenden Vogel möglicherweise nicht früh genug erkannt, um eine Kollision zu vermeiden.
Besonders gefährdet sind häufig große oder weniger wendige Vogelarten, darunter Trappen, Störche, Wasservögel und Watvögel – Gruppen, deren Sichtfeld nach vorn eingeschränkt sein kann [2].
Bei der leistungsbasierten Auslegung von Vogelschutzmarkern werden die Bedingungen berücksichtigt, die beeinflussen, ob ein Vogel eine Leitung rechtzeitig erkennen kann. Die wichtigsten Faktoren sind:
• Hoher Kontrast
• Ausreichende visuelle Größe
• Gut erkennbare Muster
• Windbedingte Bewegung
• Gute Sichtbarkeit bei schlechten Lichtverhältnissen
• Artgerechte Anbringungsabstände
Diese Kriterien sind besonders wichtig für große Wasservögel wie Kanadagänse und Enten, die aufgrund ihrer Körpermasse, ihrer Fluggeschwindigkeit, ihrer eingeschränkten Manövrierfähigkeit und ihrer Aktivität in der Morgen- oder Abenddämmerung besonders gefährdet sein können. Eine Auslegung für diese besonders risikoreichen Bedingungen kann dazu beitragen, den Schutz für ein breiteres Spektrum an Vogelarten zu verbessern.
In einer Studie zu drei 400-kV-Übertragungsleitungen in Südspanien stellten Forschende fest, dass Vogelschutzmarker in Klappenausführung mit einer um 70,2 % niedrigeren durchschnittlichen Vogelsterblichkeitsrate verbunden waren [3].
Fortschritte bei der Datenerfassung und Kartierung ermöglichen eine präzisere Identifizierung besonders risikoreicher Leitungsabschnitte. Versorgungsunternehmen legen zunehmend Wert auf:
• Gebiete in der Nähe von Feuchtgebieten und Gewässern
• Migrationskorridore und Flugrouten
• Standorte mit dokumentierten Vogelkollisionen
Programme wie das deutsche Vogelfundportal zeigen, wie die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Umweltorganisationen wirksamere Einsatzstrategien unterstützen kann. Das von NABU, RGI und den deutschen Netzbetreibern entwickelte Portal ermöglicht eine standardisierte Meldung von Vogelsterben entlang von Stromleitungen. Durch die Erhebung von Felddaten können Betreiber kritische Leitungsabschnitte identifizieren, artspezifische Risiken besser einschätzen und Prioritäten setzen, an welchen Stellen Schutzmaßnahmen wie Vogelschutzmarkierungen angebracht werden sollten.
Dies verdeutlicht einen umfassenderen Wandel von reaktiven Maßnahmen zur Kollisionsvermeidung hin zu einer datengestützten Planung. Anstatt Vogelschutzmarker als allgemeine Leitungsmarkierungen einzusetzen, können Energieversorgungsunternehmen gezielt Hochrisikogebiete wie Feuchtgebiete, Flugrouten, Gewässer und Korridore für erneuerbare Energien berücksichtigen. In Verbindung mit einer leistungsbasierten Auswahl der Vogelschutzmarker trägt dieser Ansatz dazu bei, die Umweltwirkung zu verbessern und zugleich einen effizienten Einsatz in wachsenden Stromnetzen zu unterstützen. Gleichzeitig entwickeln sich auch die Montageverfahren weiter. Roboter- und drohnengestützte Systeme erhöhen die Sicherheit und ermöglichen eine effiziente Montage an unter Spannung stehenden Leitungen.
Die nächste Entwicklungsphase bei der Vermeidung von Vogelkollisionen wird durch leistungsbasierte Entscheidungsprozesse geprägt sein. Anstatt allgemeine Leitungsmarkierungen vorzugeben, können Energieversorgungsunternehmen Vogelschutzmarker anhand messbarer Kriterien wie Erkennungsdistanz, Kontrast, Bewegung und artspezifischer Sichtbarkeit bewerten.
Dieser Ansatz kann Energieversorgungsunternehmen dabei unterstützen:
• das Kollisionsrisiko in besonders schutzbedürftigen Gebieten zu reduzieren
• Genehmigungsverfahren und die Erwartungen relevanter Interessengruppen zu unterstützen
• die Effizienz der Umsetzung zu verbessern
• die Umweltleistung in wachsenden Stromnetzen zu stärken
Mit dem weiteren Ausbau der Netzinfrastruktur wird der Vogelschutz zu einem zunehmend wichtigen Bestandteil einer verantwortungsvollen Stromversorgung.
Da die Auswahl von Vogelschutzmarkern zunehmend leistungsbasiert erfolgt, benötigen Energieversorgungsunternehmen Lösungen, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Einsetzbarkeit verbinden.
Die AVFD Vogelschutzmarker von TE Connectivity wurden entwickelt, um Energieversorgungsunternehmen dabei zu unterstützen, Vogelkollisionen zu reduzieren und zugleich die Zuverlässigkeit von Freileitungen zu gewährleisten. Die AVFDs werden direkt an Freileitungsseilen installiert und erhöhen deren Sichtbarkeit, sodass Vögel Stromleitungen früher erkennen und ihre Flugrichtung ändern können. Das AVFD-Portfolio von TE umfasst Modelle für unterschiedliche Sichtbedingungen, darunter kontrastreiche reflektierende Komponenten sowie photolumineszierende Elemente für eine bessere Sichtbarkeit bei schlechten Lichtverhältnissen.