Ingenieur bei der Arbeit in einem Rechenzentrum.

TE Perspectives Artikel

Dezentrale Energie für Rechenzentren

Rechenzentren suchen nach Alternativen zum konventionellen Stromnetz, um die Energieversorgung für fortschrittliche KI sicherzustellen. Trotz neuer erneuerbarer Energiequellen erschwert die bestehende Netzinfrastruktur die Bewältigung des stark wachsenden Energiebedarfs in verschiedenen Sektoren. Besonders Rechenzentren lassen den Stromverbrauch rasant steigen.

 

Das Netz kann mit der erforderlichen Skalierung und Geschwindigkeit dieser Expansion kaum mitthalten. Allein die Genehmigung und Integration neuer großflächiger Netzausbauprojekte kann bis zu einem Jahrzehnt dauern. Anstatt auf diese Entwicklungen zu warten, setzen Technologieunternehmen auf Lösungen, die Energieerzeugung und Hyperscale-Rechenzentren parallel vorantreiben.

 

Dieser Ansatz wird sich voraussichtlich nicht nur als Übergangslösung erweisen, sondern auch neue Innovations- und Expansionsmöglichkeiten schaffen – insbesondere für Technologien, die ein flexibleres Netz der Zukunft ermöglichen. Dafür erfordert es jedoch eine enge Zusammenarbeit von Ingenieuren aus verschiedenen Fachbereichen – von der Stromversorgung über Datenarchitektur bis hin zu Leistungsüberwachung und Cybersicherheit.

Die Macht der Flexibilität

Die schiere Nachfrage nach neuer Energie bedeutet, dass Co-Location-Projekte wahrscheinlich nicht ausschließlich nur eine einzige Stromquelle nutzen werden. Jede wirtschaftliche Energiequelle ist nutzbar, sofern eine Erzeugungs- oder Speichereinrichtung vor Ort realisierbar ist. Solarenergie und Batteriespeicher dürften stark an Bedeutung gewinnen, ebenso wie Turbinen, die mit verschiedenen Brennstoffen betrieben werden können, darunter Erdgas und andere traditionelle fossile Brennstoffe. Generell gilt: Je leichter eine bestimmte Energiequelle verfügbar ist, desto größer ist das Potenzial für wirtschaftliche Effizienz einer lokalen Energieerzeugung. Staatliche Maßnahmen wie der U.S. Inflation Reduction Act, der Europäische Green Deal und Chinas Vorgaben zur KI-Energieeffizienz werden ebenfalls maßgeblich beeinflussen, wie und wo angrenzende Projekte realisiert werden.

 

Dieser Trend entsteht teilweise, weil für die meisten Herausforderungen bei der Bereitstellung von Energie vor Ort praktikable Lösungen existieren. Der Hauptunterschied zwischen Colocation-Projekten für ein KI-zentriertes Rechenzentrum und anderen industriellen Nutzern liegt in der Regel auf einem stärkeren Fokus auf Redundanzen in der Stromversorgung. Das gewünschte Maß an Redundanz erfordert erheblich mehr Schaltanlagen als vergleichbare Projekte – typischerweise das Dreifache.

 

Betreiber von Rechenzentren sind jedoch nicht zwangsläufig auf Standardkomponenten angewiesen. In einigen Fällen entwickeln sie eigene Spezifikationen für die Energieerzeugung, die zu besseren Ergebnisse führen können. Eine kompaktere Bauweise von Schaltanlagen ermöglicht die Integration mehrerer Einheiten in einem einzigen Schaltschrank. Dadurch lässt sich die Anzahl der Schaltanlagen verdreifachen, was den Platzbedarf erheblich reduziert.

 

Das Ingenieurteam von TE Connectivity hat einen kompakten Winkelstecker entwickelt, der genau diese Art von Effizienz ermöglicht. Auch wenn es wie eine kleine Veränderung erscheinen mag, dauerte die Produktentwicklung mehrere Jahre und erforderte spezialisiertes Fertigungsengineering sowie neue Gussformen zur Produktion.

Vorsprung sichern durch Zusammenarbeit

Angesichts des Wandels in der Branche erfordert die Entwicklung von Innovationen zur Beschleunigung von Projekten für Colocation-Rechenzentren eine enge Zusammenarbeit. Für TE bedeutet dies, eine stärker beratende Rolle einzunehmen statt des taditionellen Anbietermodells. Die enge Kooperation zwischen Ingenieuren und Technikern ermöglicht es den Teams, zukünftige Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Innovationen gezielt auf neue Anforderungen auszurichten.

 

Die Entwicklung von Erzeugungsanlagen vor Ort könnte die Stromversorgung von Rechenzentren grundlegend verändern. Die Umstellung auf eine höhere Spannung bietet Potenzial für mehr Effizienz, da Rechenzentren den erzeugten Strom mit geringeren Verlusten, weniger Komponenten, geringerem Stromfluss und reduzierter Wärmeentwicklung übertragen könnten. Onshore-Wind- und Solaranlagen setzen bereits verstärkt auf Höchstspannungsverbindungen.

 

Doch je mehr Strom durch ein Bauteil fließt, desto schwieriger ist es, das System innerhalb der erforderlichen Sicherheitsspezifikationen zu halten. Die Bewältigung dieser anspruchsvollen technischen Herausforderungen führt in der Regel zu höheren Kosten für Komponenten. Betreiber von Rechenzentren sind auf die Unterstützung erfahrener Ingenieure angewiesen, um die verfügbaren Optionen zu verstehen und die potenziellen Kosten höherer Spannungskomponenten im gesamten System gegen die langfristigen Effizienzgewinne abzuwägen. Diese Zusammenarbeit wird den Betreibern letztendlich helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen, die den spezifischen Anforderungen ihrer Energiequelle und ihres Standorts gerecht werden.

Die Zukunft ist noch in der Entwicklung

Der Austausch von Ingenieuren aus verschiedenen Industriebereichen kann die Entwicklung in einem dynamischen Umfeld fördern. Mit unserer umfangreichen Erfahrung in Rechenzentrumssystemen können Ingenieure deren Zusammenspiel effizienter optimieren. Insbesondere fortschrittliche Überwachungssysteme können Daten aus dem lokalen Smart Grid mit Spannungs- und Stromwerten am Ende jeder Reihe im Rechenzentrum verknüpfen, um die Zuverlässigkeit der gesamten Anlage zu erhöhen.

 

Colocation-Rechenzentren sind abhängig von ihrer Umgebung. Um die Netzübertragung für eine deutlich höhere Stromnachfrage zu rüsten, dürfte ein solches Projekt mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die exakte Struktur des künftigen Stromnetzes ist noch unklar, aber die Stromerzeugung aus diversifizierten Energiequellen wird Teil der Lösung sein. Je mehr benachbarte Projekte in Bereichen wie Batteriespeicherung oder der Kernenergie aus kleinen modularen Reaktoren voranschreiten, desto stärker können sie zur Verbesserung der Gesamtversorgung beitragen.

 

Dezentrale Lösungen werden auch dazu beitragen, Zeit für zusätzliche Innovationen zu gewinnen, die zur Lösung größerer Übertragungsprobleme erforderlich sind. Selbst wenn die Netzbetreiber in der Lage sind, mit der steigenden Stromnachfrage Schritt zu halten, bleiben Colocation-Anlagen in einem stark ausgebauten Netz wahrscheinlich weiterhin eine wertvolle, dringend benötigte redundante Versorgungseinheit.