Leben in einer sensorisierten Welt

Trend

Verbindungen fürs Leben

Ob es uns bewusst ist oder nicht – wir leben in einer zunehmend sensorgesteuerten Welt. Sensoren erhöhen die Sicherheit und entlasten uns von unseren alltäglichen Aufgaben. Von: Ronald M. Weber, Global Industry Manager, Building Automation

Unsere Abhängigkeit von Sensoren nimmt stetig zu: Sensoren geben uns Sicherheit, Komfort, Kontrolle. Sensoren spielen eine immer größere Rolle in unserem Leben. Ohne es zu merken, haben wir uns daran gewöhnt, jeden Tag mit Sensoren zu leben und uns auf sie zu verlassen. Zu Hause vertrauen wir längst darauf, dass es der Wäschetrockner merkt, Bescheid gibt und sich ausschaltet, wenn die Wäsche trocken ist, um uns Zeit und Strom zu sparen. Bewegungsmelder, die uns das Licht ein- und ausschalten, sind quasi zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Wohl am deutlichsten aber wird der Verlass auf Sensoren bei den heutigen vernetzen Fahrzeugen.

Wer würde heute noch ein Fahrzeug ohne ABS fahren wollen, dessen Sensoren jederzeit kontrolliertes und zuverlässiges Bremsen garantieren? Der Motor springt heute auf Knopfdruck sofort an und läuft danach rund und optimal, weil zahlreiche Sensoren Temperatur, Kraftstofffluss, Kraftstoffdruck, Luftstrom und mehr erfassen. Bei einem Unfall erwarten wir, dass Aufprallsensoren im Fahrzeug schützende Airbags auslösen und die Kraftstoffversorgung unterbrechen, damit kein Feuer ausbricht. Unsere Autos werden mehr und mehr zu "Wahrnehmungsmaschinen" mit der Fähigkeit, Probleme selbstständig zu diagnostizieren und Lösungen vorzuschlagen. Innerhalb der letzten 30 Jahre haben Sensoren das Fahren verändert und das Auto sicherer, zuverlässiger, effizienter und weniger kompliziert in der Wartung gemacht.

 

„Bei einem schlechten Fahrer bedeutete der Verlass auf den fahrerischen Instinkt, dass Signale des Fahrzeugs missachtet oder falsch gedeutet wurden, nicht selten mit unschönen Folgen.“

Wie bei allen Innovationen gibt es Kritiker, die behaupten, sensorgesteuerte Funktionen gingen beim Autofahren auf Kosten von „Gefühl“. Ganz unwahr ist das nicht, schließlich war man in der Vergangenheit in puncto Sicherheit beim Autofahren tatsächlich auf seine ureigenen Instinkte angewiesen. Man fühlte, horchte, beobachtete, wie sich das Fahrzeug verhält, wie es reagiert. Man unterscheidete zwischen hochbegabten und weniger talentierten Fahrern. Ein guter Fahrer interagiert oft schnell und richtig mit dem Fahrzeug und kennt den Motorklang. Er weiß wie die Lenkung reagiert und wie gut die Reifen greifen. Bei einem schlechten Fahrer bedeutete der Verlass auf den fahrerischen Instinkt, dass Signale des Fahrzeugs missachtet oder falsch gedeutet wurden, nicht selten mit unschönen Folgen.  

Mit Sensoren ausgestattete Fahrzeuge bieten Fahrern und Mitfahrern Sicherheit, Komfort und Effizienz.

Mit Sensoren ausgestattete Fahrzeuge bieten Fahrern und Mitfahrern Sicherheit, Komfort und Effizienz.

Auch der Mechaniker verließ sich früher bei der Diagnose eines Fahrzeugs oder Motors auf seine Sinne. Jahre bevor es Geräte zur Analyse der Motorleistung gab, konnten die besten Mechaniker Probleme an einem Motorgeräusch analysieren und das optimale Luft/Kraftstoff-Gemisch nach Gehör einstellen. Natürlich gab es auch unerfahrene Mechaniker, die das Problem nicht analysieren konnten.

Mit Sensoren ausgestatte Fahrzeuge: Der weit verbreitete Einsatz von Sensoren trägt dazu bei, dass riskante Fahrer sicherer Fahren und weniger erfahrene Mechaniker eine treffsicherere Analyse stellen, noch bevor sie das Fahrzeug auf die Bühne nehmen. Durch Auslesen des Motorsteuergeräts erhält der Mechaniker schnell effektive Anhaltspunkte über Motorenprobleme und gleichzeitig zielführende Hinweise zur Reparatur. Solche Fähigkeiten machen es wahrscheinlicher, dass der Mechaniker beim ersten Mal das Problem richtig diagnostizieren und beheben kann. Ohne es zu merken, gewöhnen wir uns an die Vorteile von Sensoren. Sensoren haben nicht nur unsere Autos sicherer und zuverlässiger gemacht, sondern auch unser Zuhause. Sensoren in Rauchmeldern erkennen mikroskopische Partikel, die bei einem Brand entstehen. Nicht so offensichtlich sind die Temperatursensoren in Heizungsthermostaten, Waschmaschinen, Heizöfen und Herden. In Gasfeuerungsanlagen und Gasthermen finden wir Thermosäulen, die eine Pilotflamme erkennen und den Brenner zur Sicherheit automatisch abschalten, wenn keine Flamme erkannt wird.

Quasi unbemerkt gewöhnen wir uns an die Vorteile einer Welt, die uns Sensoren ermöglichen.

Sensoren haben unser Leben und unsere Vorstellung, wie wir leben möchten, verändert. Es ist zu bezweifeln, dass sich jemand heute ein fabrikneues Auto ohne Airbag oder ABS bestellen würde – vor nicht allzu langer Zeit galt dies noch als wahlweise Luxusausstattung. Gleichwohl unvorstellbar ist es für uns heute, zur Temperaturregelung ein Scheit Holz aufzulegen, wenn es in der Wohnung zu kalt ist, und das Fenster aufzumachen, wenn es zu warm wird. Wir erwarten von unserem Zuhause – ob Eigentum oder Miete – ein System, das unseren Komfort regelt. Es ist für uns heute eine Notwendigkeit, dass unsere Heizung steuert und regelt. Auch erwarten wir, dass unser Haus die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, und uns zum Beispiel Rauchmelder im Falle eines Brandes warnen.

In Zukunft werden viele, wenn nicht die meisten, unserer täglichen Routinen automatisiert sein.

In Zukunft werden viele, wenn nicht die meisten, unserer täglichen Routinen automatisiert sein.

In nicht so ferner Zukunft wird unser Zuhause sensorische Fähigkeiten haben, die unsere Vorstellungskraft übersteigen. Die Gebäudeautomation beginnt für Eigenheimbesitzer schon heute bei der Auseinandersetzung, wie z. B. mit intelligenten Thermostaten. Sowie wir den verschiedenen Technologien näher rücken und sie Einzug in sogenannte „Connected Home“-Systeme halten, ziehen unsere Erwartungen nach, und Sensoren tragen dazu bei. Vieles soll für uns in Zukunft automatisch gehen: Wohlfühlklima in verschiedenen Räumen, Öffnen und Schließen von Türen, Licht ein- und ausschalten, Alarmanlage scharfstellen bis hin zur Planung von Instandhaltungsmaßnahmen. Dafür werden Sensoren installiert und müssen vielfältige Funktionen erfüllen. Jeder Raum wird über mehrere Sensoren verfügen müssen, die die Anwesenheit von Personen, Lichtpegel, Temperatur, Feuchtigkeit und andere Faktoren zur Regulierung des Wohnkomforts registrieren. Unvorstellbar ist mithin nicht, dass unauffällige Videokameras unsere Gesten und Mimik in Steuersignale für unser „vernetztes Heim“ umsetzen.

In den letzten Jahrzehnten haben wir im Zuge der technologischen Weiterentwicklung  gezeigt, dass wir gewillt sind, zugunsten der Bequemlichkeit, die uns Automation und Sensoren ermöglichen, einen Teil der Kontrolle abzugeben. Eine entscheidende Frage stellt sich uns: Werden wir unsere Abhängigkeit von Sensoren in unserem Zuhause wie in unseren Fahrzeugen akzeptieren? Die Zeit wird es weisen. Wenn die neuere Geschichte ein Wegweiser ist, werden die meisten von uns Sicherheit, Komfort und Zuverlässigkeit begrüßen, die uns Sensoren in unserem Zuhause bieten.