Sensoren im Baseball

Sensoren im Baseball

Erfahren Sie, wie Sensoren die Genauigkeit im Spiel verbessern, die taktische und strategische Ausrichtung verändern und gleichzeitig eine Interaktion der Baseballfans ermöglichen können.

Ich war schon als Kind ein Fan von Baseball. Ich selbst war dann zwar ein eher unbegabter und ziemlich unkoordinierter Spieler, aber das Spiel übte trotzdem einen großen Reiz auf mich aus. Ich glaube, dafür gab es vier Gründe: 1.) Baseball-Sammelkarten, 2.) die zunehmende Beliebtheit der Sendung „SportsCenter“, 3.) mein Interesse für Statistiken, die ich mir schon früh am Computer bzw. im Internet angeschaut habe, und 4.) die New York Yankees. Baseball war ein tolles Hobby, das mich jeden Tag beschäftigt und angespornt hat. Ständig grübelte ich, ob die Yankees gewinnen oder verlieren würden, welche Spieler aufgestellt werden sollten und welche neuen Spieler zur nächsten Saison kommen sollten.

Machen wir nun einen großen Sprung in meine Zeit als Berufseinsteiger in der Welt der Sensoren. Als ich 2004 meine erste Stelle in der Sensorbranche antrat und Freunden von meiner Arbeit bei einem Sensorunternehmen erzählte, fragten mich alle, welche Aufgabe denn ein Sensor eigentlich habe. Meine Antwort: Mit einem Sensor werden Daten erfasst und in Signale verwandelt. Häufig wird dies auch mit den Nerven in den Fingerspitzen verglichen. Die Nerven erkennen, ob etwas heiß, kalt, scharf oder rau ist, und senden ein Signal an das Gehirn, das dann entscheiden muss, ob die Daten genutzt werden. 2017 findet man mittlerweile überall Sensoren. Im Kontext des sogenannten „Internet der Dinge“ sind Sensoren von ihren Ursprüngen in der Luft- und Raumfahrt näher an die Verbraucher herangerückt. Sensoren sind kleiner, schneller und in neuen Werkstoffen erhältlich, damit man noch einfacher Daten messen kann. 

Die Faszination von Baseball liegt in seiner Tradition, Einzigartigkeit und seinem komplexen Regelwerk. Der Faktor Mensch spielt eine große Rolle: bei der Aufstellung, der Spielstrategie und den Schiedsrichterentscheidungen. Tragen die Schwachstellen des Fairplay zu dieser Faszination bei, oder machen Sie Baseball weniger attraktiv? Können Sensoren das Niveau und die Qualität des Wettbewerbs steigern und ihn gleichzeitig fairer gestalten? Kann die Sicherheit der Spieler verbessert werden, auch wenn es sich um einen Sport ohne Körperkontakt handelt?

Ist der Ball ein „Out“ ... oder „Safe“?

Im Baseball treffen Schiedsrichter in allen Bereichen des Spiels ihre Entscheidungen. Ob „Ball“ oder „Strike“, „Out“ oder „Safe“, „Fair“ oder „Foul“, die Schiedsrichter können sich dabei nur auf ihre Augen oder Ohren verlassen. Die Strike Zone ist möglicherweise der heikelste Bereich, da jeder Wurf durch eine Maske und hinter einem Fänger bewertet werden muss und das Schlagmal die einzige physische Grenze bildet. Können wir mithilfe von Sensoren Schiedsrichterentscheidungen beeinflussen? Eine Möglichkeit wären Sichtsensoren. Mit den richtigen Berechnungen und Einstellungen könnte ein Radarsensor je nach Schlagmann von links oder rechts die Strike Zone von der Brust bis zu den Knien messen und dabei berücksichtigen, wohin der Wurf zielt. Ein vom Schlagmal aus nach oben ausgerichteter Sensor könnte als zweiter Anhaltspunkt für die Wurfhöhe dienen.  

 

Wenn man Kraft- oder Piezo-Foliensensoren mit einer Reaktionszeit von weniger als einer Millisekunde in die Handschuhe der Spieler und in die Male integriert, können in dem Moment, in dem der Ball den Handschuh erreicht und einen Runner aus dem Spiel nimmt, Entscheidungen getroffen und per Funk übertragen werden. Die Logik müsste zwar innerhalb des Systems definiert werden, das wäre aber einfach zu bewerkstelligen. 

 

Auch am Foul Pole (Fair Pole) wären Sensoren hilfreich, während im Outfield mithilfe von Vibrations-, Kraft- oder Piezo-Foliensensoren der genaue Aufschlagpunkt des Balles gemessen werden könnte. Ähnlich wie beim Tennis können strategisch platzierte Kameras Schiedsrichter mit besseren Informationen als Grundlage für ihre Entscheidungen versorgen. Piezo-Kabel können unter dem Spielfeld verlegt werden. Befindet sich im Ball zusätzlich ein Beschleunigungsmesser, kann exakt ermittelt werden, wo der entlang der Line geschlagene Baseball landet.  

Verbesserung der Spieler

„Moneyball“, die Biografie über Billy Beane von Michael Lewis, bot einen Einblick in die zunehmende Nutzung von Daten zur Beurteilung von Spielern. Mehr Informationen können außerdem dazu beitragen, die Leistung dieser Spieler zu steigern. Beschleunigungsmesser im Schläger können die Schlägergeschwindigkeit messen und an Sensoren an den beiden Handgelenken weiterleiten, mit denen die Bewegung beim Ausholen festgehalten wird. Beschleunigungsmesser im Baseball können darüber hinaus die Wurfgeschwindigkeit messen.

 

Anhand von fotooptischen Sensoren im Baseball kann die beste Fingerposition für die einzelnen Wurfarten ermittelt werden. Baseball ist ein Milliardengeschäft, in dem es auf jedes Detail ankommt. Mit Sensoren können die Teams die Spieler und ihre Leistung genauer überwachen und bewerten. Durch die Überwachung dieser Daten und der Berechnung von Trends können die Teams beurteilen, ob ein Spieler seine Spitzenleistung abruft.  

Wetterdaten während des Spiels

Ein tiefer gehendes Verständnis des Wettbewerbs besteht nicht nur in der Analyse von Siegen und Niederlagen nach Platzbeschaffenheit oder Heim- und Auswärtsspielen. Welche Leistung bringt ein Spieler, wenn der Wind in oder gegen seine Richtung weht? Können wir anhand der Daten von Streudiagrammen genauer ermitteln, wie einzelne Schlagmänner Treffer für bestimmte Wurfarten und unter bestimmten Umgebungsbedingungen erzielen?

Marketing

Ein Baseballspiel kann länger dauern als gedacht. Die Länge des Spiels ergibt sich u. a. aus den Auszeiten für die Mannschaften, Debatten über Schiedsrichterentscheidungen und dem Wechsel von Werfern. Ein Zeitlimit kann begonnen werden, wenn sich zwei Füße des Schlagmanns in der Box und einer des Werfers auf der Gummiplatte befinden. Hierbei weist eine Leuchtanzeige Schlagmann und Werfer darauf hin, dass geworfen werden darf. Wenn Entscheidungen anhand von Sensordaten getroffen werden, sind weniger Debatten am Spielfeldrand erforderlich.


Auch aus marketingtechnischen Gründen macht also der Einsatz von Sensoren für die Major League Baseball Sinn. Unsere Gesellschaft strebt nach Daten (Wie viele Schritte bin ich heute gelaufen?) und sofortiger Belohnung (Haben Sie das in den sozialen Medien gefunden?). Die beiden wichtigsten Statistiken im Spiel sind Home Run-Strecke und Wurfgeschwindigkeit. Können Sensoren eine virtuelle Realität schaffen, in der Fans haargenau nachempfinden können, wie es sich anfühlen muss, den spielentscheidenden Strike Out oder Home Run zu erleben? Können Fans anhand von zusätzlichen Daten die Siegesaussichten ihres Teams besser vorhersagen?  

Sicherheit

Da Baseball ein „kontaktloser“ Sport ist, wird der Sicherheitsaspekt häufig etwas vernachlässigt. Hit by Pitch und das Spiel am Schlagmal sind aber zwei Beispiele für gefährliche Situationen. Spieler, die vom Ball getroffen werden, insbesondere am Kopf, können mithilfe von Sensoren in den Helmen geschützt werden. Anhand der Kraft/Wucht, die auf den Helm einwirkt, kann das Risiko bzw. das Ausmaß von Gehirnerschütterungen ermittelt werden.
 

Auch kann die Ausrüstung eines Fängers mit Piezo- und Kraftsensoren ausgestattet werden, um die Auswirkungen eines Kontakts mit einem Runner zu ermitteln. Auch wenn laut einer aktuellen John Hopkins-Studie die Gefahr einer Verletzung des Fängers beim Spiel am Schlagmal gering ist, kann beispielsweise mit Sensoren in den Helmen die Kraft ermittelt werden, die durch Foul Balls und Schläger auf die Köpfe der Catcher oder Schiedsrichter einwirkt.    

ZUSAMMENFASSUNG

Es ist schwer vorherzusagen, welche Rolle Sensoren in der Welt des Baseball einmal spielen werden. Ich bin aber der Überzeugung, dass neu entwickelte, genauere, kleinere und kostengünstigere Technologien ihren Weg in Sportarten wie den Baseball finden und den Sport, wie wir ihn kennen, gründlich verändern werden. In Sportarten wie Schwimmen und Tennis wurden Sensoren bereits recht früh eingesetzt, um den Wettkampf und die Fairness zu optimieren.  Auch wenn viele Fans bei ihrem Lieblingssport sehr empfindlich auf Veränderungen reagieren, wünschen sich die meisten Fans doch auch Ergebnisse, die auf Fair Play beruhen – und hierzu können Sensoren beitragen.  Außerdem glaube ich, dass Investitionen in Sensoren für mehr Sicherheit und zum Schutz der Gesundheit auch außerhalb des Sports zu einem größeren Verständnis für diese Fragen führen können.

Autor:

Greg Montrose, Digital Marketing Manager, Sensor Solutions