MineCon: Kein Kinderspiel

Trend

Die Welt ist definitiv nicht einfältig.

Phil Gilchrist, VP und CTO im Bereich Data and Devices bei TE war beeindruckt von den Lernmöglichkeiten auf der MineCon, der witzigen, innovativen und bewusstseinserweiternden zweitägigen Convention des Spieleherstellers Minecraft.

Auf in eine neue Welt

Im Juli hatten meine Frau, unsere drei Kinder und ich das Vergnügen eines Besuchs auf der MineCon, der zweitägigen Convention für Fans des Minecraft-Spiels, die im ExCel-Austellungszentrum in den Londoner Docklands abgehalten wurde. Dieses Jahr nahmen daran über 10.000 Kinder und Jugendliche teil. (Die Tickets waren binnen weniger Tage ausverkauft, und es hätten eindeutig doppelt so viele unter die Kids gebracht werden können.) Falls Sie keine Kinder haben (oder wenn Sie welche haben, ihnen aber den Zugang zum Computer verweigern): Minecraft ist ein Spiel des schwedischen Spielemachers Mojang AB, bei dem es faktisch darum geht, „Blöcke zu zerbrechen und zu platzieren“. Es ist eine Art digitales Baukastensystem für Kinder, in dem riesige und unglaublich komplexe Welten geschaffen und zerstört werden. Tiere und Menschen, die zum Teil der offensichtlich regen Fantasie der Entwickler entspringen, bewegen sich durch bunte, blockhaft strukturierte Landschaften, die von den Charakteren selbst geschaffen wurden. Das Spiel wurde bisher 20 Millionen Mal verkauft, Tendenz steigend. Ich gebe zu, dass ich mich wie ein Neandertaler gefühlt habe, der den Large Hadron Collider besucht. Zunächst verstand ich das Spiel überhaupt nicht. Jetzt verstehe ich es, und es ist wahrlich kein Kinderspiel. Hier sind drei Dinge, die mir auf der MineCon besonders gefallen haben.

Vertieft in Technologie

Spielerische Bewusstseinsöffnung

Zunächst war da dieses schier greifbare Gefühl, dass die 10.000 Kinder und Jugendlichen – alle in bunten T-Shirts mit aus Blöcken geformten Spitzhacken, manche auch mit würfelförmigen Hüten – tatsächlich Teil einer weltweiten Community von Minecraft-Spielefans waren und dass das ganze Spiel reell und bunt und herrlich ist. Die flirrende Energie des Spiels war permanent fühlbar, während die weltweit in Kinderzimmern an PCs kreierten Welten zum Leben erwachten. Die Proto-Freaks unter den Kids eilten mit einer Dringlichkeit zwischen den Entwickler-Panels von Mojang und Vorträgen mit Serverhosting-Tipps hin und her, die an Delegierte der Vereinten Nationen bei der Ausarbeitung eines Vertrag zur globalen Erwärmung erinnerte. In den Panels wurde eingehend über die Mechanik der Codierung und der Textwiedergabe gesprochen, während die riesigen physischen Exponate von Minecraft-Charakteren und -Werkzeugen zum Anfassen und Erklettern dienten, um sich kurz zu erholen und ein paar Handyfotos zu schießen. Die Entwickler wurden wie Rockstars gefeiert. „Du liest wohl auf meinem Notebook!“, erwiderte ein Entwickler erstaunt auf die Fülle von Vorschlägen eines wirklich früh entwickelten 12-Jährigen, der das Mikrophon während einer Fragen-Session gar nicht mehr los lies. Das war kein Marketing, sondern das Eintauchen in eine völlig andere Welt. Und diese Welt war real, und die Kids befanden sich in ihr. Aus der Sicht eines Erwachsenen erschien diese freakige, technisch versierte, kreative, strategisch denkende Community von Proto-Ingenieuren wie das neue Disneyland. Lauter STEM-Kandidaten mit Kunstabschluss. Ich fand es herrlich. 

Diese freakige, technisch versierte, kreative, strategisch denkende Community von Proto-Ingenieuren erschien wie das neue Disneyland. Lauter STEM-Kandidaten mit Kunstabschluss. Ich fand es herrlich.
Phil Gilchrist,
Vice President und Chief Technology Officer
Phil Gilchrist, VP und CTO bei TE im Bereich Data and Devices

Technologie

Wertvoll und umsetzbar

Des Weiteren viel mir der historische Kontrast auf, während wir das Themse-Ufer entlang schlenderten. Die Veranstaltung der MineCon in den Docklands vereint Altes und Neues. Die Docklands sind Teil des ehemaligen Londoner Hafens, der einmal der größte Hafen der Welt war. Bereits zu Zeiten der Römer haben hier Schiffe an- und abgelegt. Heute schwimmen dort nur noch ein paar alte Kähne und ein stillgelegtes Brandschiff, von dem aus aufgrund des für England ungewöhnlich warmen Wetters Kinder kreischend ins Wasser hüpften. Die Schifffahrt zählt mit zu den ältesten Gewerben. Direkt neben dem grauen Fluss strömten in einem Bereich von der Größe einer alten Teelagerhalle Bits und Bytes, mit denen digitale Produkte des „Geistes“ im Wert von mehreren Milliarden erschaffen wurden, unbemerkt mit enormer Geschwindigkeit zwischen der MineCon und Hosting-Servern in den USA oder Europa. In der Haupthalle wurden auf einem riesigen Bildschirm die Vorträge der Wissensunternehmer übertragen, denen der Gegensatz zwischen den altertümlichen und modernen Geschäftsmodellen vielleicht gar nicht bewusst war. Es schien wie eine magische Welt weitab vom herkömmlichen Leben, in der das junge Publikum gebannt den Hexern und Zauberern auf der Bühne lauschte. Ich fragte mich, ob es jemals ein Zeitalter gegeben hatte, in dem technische Kreativität wertvoller und umsetzbarer war als heute. Was für eine herrliche Zeit es doch ist, in der unsere Kinder leben. 

Petabyte in Nanosekunden

Digitale Demokratie in Aktion

Schließlich und ein wenig eigennützig erhielt ich die Bestätigung, dass das Geschäft des Speicherns und Bewegens von Bits und Bytes mit enormen Geschwindigkeiten der Bedeutung gleichkommt, die einst der Schifffahrt beigemessen wurde. HP zählt zu den Entwicklern ionenbasierter Speichergeräte, die in der Lage sind, in 250 Nanosekunden ein einzelnes Byte aus 160 Petabyte zu extrahieren. Es werden fast täglich neue technische Maßstäbe gesetzt, die wie schnell fließende Lava unaufhaltsam neue Landschaften kreieren, in denen es einem kleinen schwedischen Softwareunternehmen weitab von Hollywood gelingt, ein kulturell so einflussreiches Spiel zu erschaffen. Es war digitale Demokratie in Aktion. 

Während ich die Kids beobachtete, die mit einem Bein in der Realität und mit dem anderen in der virtuellen Welt standen, kam mir der Gedanke, dass die neue Welt definitiv kein einfältiger Ort ist. Sie ist enorm interessant. Sie ist ein allgegenwärtiger virtueller Raum für enorme Erfindungen, der lebendig und komplex ist und in den Benutzer über einen beliebigen Computer oder ein Mobilgerät eintauchen können. Ehrlich gesagt war es für diese Kinder und Jugendlichen genauso real wie der Tower von London, oder vielleicht sogar noch realer. Ich habe jede Sekunde genossen.