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Wer Ideen aus scheinbar unzusammenhängenden Bereichen zusammenbringt, entdeckt manchmal Großartiges.

Cognification, zu Deutsch etwa Bewusstwerdung – so bezeichnet Ben Nelson die Idee, dass ein Gerät zumindest teilweise ein Bewusstsein für seine Umgebung hat und anhand dieser Informationen seine Funktionsweise ändert.  Cognification gehört für ihn zu den spannendsten Trends im vernetzten Bauen. „Vor nicht allzu vielen Jahren hatten wir alle Digitalkameras, Mobiltelefone, PDAs, Taschenrechner und vieles mehr als einzelne Geräte. Heute übernimmt ein Smartphone all diese Funktionen. In den nächsten zehn Jahren erwarte ich die Entstehung einer ähnlichen Plattform für Beleuchtung, Brandschutz, Sicherheit, Telefonleitungen, HLK-Anlagen, Internet und weitere Netze, die Gebäude flexibler, effizienter und bewusster machen“, sagt Ben Nelson. Am Anfang seiner College-Laufbahn standen Kunst und Literatur, doch seinen Abschluss machte er an der University of Minnesota in Elektrotechnik. Auf diesem Gebiet konnte er seine Begeisterung für Kreativität und Mathematik kombinieren. Die berufliche Karriere begann beim jetzigen Unternehmen Artesyn Embedded Technologies, wo er AC/DC-Stromversorgungen und Software für die Server- und EDV-Branche entwickelte. Nach seinem MBA-Abschluss schnupperte er in ein Startup für medizinische Geräte hinein und widmete sich dann der Entwicklung und Verwaltung verschiedener Sensorplattformen für die industrielle Automatisierung bei SICK, Inc. Mit dem Ziel, vermehrt im Bereich der Business-Strategie aktiv zu sein und das Wissen aus dem MBA umfassender zu nutzen, wechselte Ben Nelson zu Honeywell ins Produktmanagement. Nach vier Jahren stellte er fest, dass ihm die Nähe zu neuen Technologien fehlte. Er ist davon überzeugt, dass er als Systemarchitekt die perfekte Balance zwischen Business und Technologie gefunden hat. Herr Nelson ist seit Februar 2016 als US-Systemarchitekt für den Bereich Intelligent Buildings bei TE beschäftigt. 

„Das Geheimnis der Innovationen besteht darin, dass wir all unsere neuen Ideen logisch durchdenken und davon lernen.“

1

An welcher Branchenherausforderung arbeiten die Ingenieure von TE derzeit?

Die beste Möglichkeit, Systeme und Geräte zu verbessern, besteht darin, sie intelligenter zu machen. TE hat in den letzten Jahren mehrere Sensorunternehmen übernommen. Das Ziel dabei war, unsere Sensor- und Verbindungstechnologie in einem Peripheriegerät zu vereinen, das Daten an ein größeres System übergibt. Dabei muss man herausfinden, welche Daten für den Kunden den größtmöglichen Wert bedeuten, und wie diese Daten wirklich effizient für die Anwendung des Kunden aufbereitet werden. Dazu überlegen wir, welche Entscheidungen zum Optimieren der Leistung getroffen werden müssen – und worauf diese Entscheidungen beruhen. Ein Beispiel: Mit einem Anwesenheitssensor lässt sich prüfen, ob sich noch Personen in einem Raum befinden. Ist das nicht der Fall, kann das Licht gelöscht werden. Das ist ein wirklich einfaches Beispiel, aber diese Systeme können sehr schnell sehr komplex werden. Wenn zum Beispiel ein Sensor erkennt, ob ein Fenster geöffnet oder geschlossen ist, könnte natürlich ein Mensch entscheiden, das Fenster zum Lüften zu öffnen. In einem vollständig integrierten System kann man anhand dieser Information verhindern, dass die HLK-Anlage sich einschaltet und die Beleuchtung kann an die veränderte Helligkeit im Raum angepasst werden. Auch das Sicherheitssystem wird über das offene Fenster informiert und prüft, ob die Scheibe zerbrochen ist. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, diese Systeme zu implementieren. Wir müssen unbedingt begreifen, worauf diese Entscheidungen beruhen. In unserem Beispiel ist sich die HLK-Anlage des geöffneten Fensters bewusst; aber ist das auch für das Sicherheitssystem der Fall? Die große Herausforderung besteht darin, zu erkennen, wie wir das Maximum aus dem System herausholen und dennoch eine kostengünstige Lösung für den Kunden bieten können. 

2

Wie lösen Sie schwierige Kundenprobleme?

Natürlich besteht die erste Herausforderung darin, das Problem wirklich zu verstehen. Meiner Meinung nach beginnt man damit, das Erlebnis und die Erfahrungen des Kunden und möglicherweise seiner Kunden in der Realität zu beobachten. Als Außenstehender erkennt man Dinge, die dem Kunden nicht auffallen, da er eine zu große Nähe zum Problem hat oder einfach die Funktionen und Merkmale der momentanen Lösung als gegeben hinnimmt.

Anschließend müssen die gewonnenen Einsichten mit den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Kunden zur Deckung gebracht werden. Manchmal ist das Problem damit gelöst, aber in anderen Fällen müssen Kompromisse bewertet und verschiedene Lösungen ausprobiert werden, bis die beste Lösung für das Problem gefunden ist. 

3

Was finden Sie am interessantesten an der Arbeit bei TE?

Die Kultur der Innovation und des Experimentierens. Wir leben in einer unglaublichen Zeit mit einem noch nie dagewesenen Maß an Konnektivität und Zugriff. Große, börsennotierte Industrieunternehmen stehen alle vor ähnlichen Herausforderungen: Wie schaffen wir weiterhin Werte für unsere Anteilseigner und ziehen Vorteil aus unserer Größe, trotz der ständig drohenden Marktstörung durch kleine, schnelle, anpassungsfähige und innovative Mitbewerber?

TE geht sehr pragmatisch an Innovationen heran. Indem wir selbst ständig neue Dinge ausprobieren, werden wir von dem rasanten Fortschritt weniger gestört. Das Geheimnis besteht darin, dass wir jede dieser neuen Ideen logisch durchdenken und davon lernen. Ich bin gerne Teil einer so dynamischen Umgebung und freue mich darüber, wie wir gemeinsam Fortschritte machen. 

4

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Konnektivität im Bereich von Gebäuden und Städten in 20 Jahren aus? Und wie in zehn Jahren?

Wir leben im Zeitalter der Nutzungserfahrung. Das heißt, wir nutzen den aktuellen Grad der Vernetzung, um unser Erlebnis zu individualisieren und zu optimieren. Vor nicht allzu vielen Jahren hatten wir alle Digitalkameras, Mobiltelefone, PDAs, Taschenrechner und vieles mehr als einzelne Geräte. Heute übernimmt ein Smartphone all diese Funktionen. In den nächsten zehn Jahren wird eine ähnliche Plattform geschaffen, die Gebäude flexibler und effizienter macht. Rund um diese Plattform gibt es einen gewaltigen Innovationsschub, vergleichbar mit den Apps für das Smartphone. Ganz nach unseren persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen werden wir unsere Umgebung jederzeit anpassen können. Dazu gehört eine Lichtsteuerung, die das Gefühl einer natürlichen Umgebung schafft. Die Anpassung des Lichts an unseren Tagesrhythmus, die von der Anzahl der Personen in einem Raum geregelte Temperatur – es gibt nahezu unendliche viele Möglichkeiten.

In 20 Jahren, sobald also die Innovation im Bereich der intelligenten Plattform für Gebäude und Städte beginnt, nun, das ist ein technologischer Sprung, über den ich kaum spekulieren kann. Ich vermute, dass es sehr viel mehr stark vernetzte Netto-Null-Gebäude geben wird, intelligente Straßenbeleuchtungsnetze, selbstregelnde DC-Mikronetze; die Möglichkeiten sind endlos! 

5

Welche Branchentrends finden Sie am interessantesten?

Den ersten Platz belegt die Cognification. Ich bin überzeugt, dass der Begriff des intelligenten oder smarten Gerätes mittlerweile überbeansprucht ist, denn derzeit wird jedes Gerät, das über einen Mikrocontroller und eine Firmware verfügt, so bezeichnet. Als Cognification – zu Deutsch etwa Bewusstwerdung – bezeichne ich die Idee, dass ein Gerät zumindest teilweise ein Bewusstsein für seine Umgebung hat und anhand dieser Informationen seine Funktionsweise ändert.

An zweiter Stelle steht das Teilen, die Sharing Economy. Wir werden weniger Dinge besitzen und vermehrt überall und jederzeit auf Dienste zugreifen können. Das zeichnet sich bereits heute ab: Wir besitzen keine DVDs mehr, sondern streamen Filme. Wir besitzen kein Auto mehr, sondern nutzen Car-Sharing-Dienste oder Mitfahrzentralen. Wir verzichten auf CDs und oft genug auf digitale Musikdateien und nutzen stattdessen Musik-Streamingdienste.

Den Abschluss bildet das Infragestellen. Der rasante Fortschritt und die stark sinkenden Kosten im Bereich der Technologie ermöglichen es uns, alte Probleme von neuen Standpunkten aus zu betrachten. Ich finde hier die Stromnetze ein sehr interessantes Beispiel. Wir denken wieder über ein Gleichstromnetz nach und darüber, alternative Energieformen von der Nachfrageseite anstatt der Versorgerseite anzugehen. Die Verbesserungen bei vielen alternativen Energiequellen waren bisher ziemlich gering, aber die Reduzierung des Stromverbrauchs bei elektronischen Geräten hatte sehr viel größere Auswirkungen. In einigen Fällen ist der Stromverbrauch so gering, dass wir Geräte mittels Energy Harvesting betreiben können – oder dass alternative Energien mehr als genug Energie zur Versorgung des betrachteten Systems liefern.  

6

Was sind die größten Herausforderungen der Kunden von TE?

Im Bereich Konnektivität/Internet der Dinge denke ich an zwei große Probleme, nämlich Kompatibilität und Sicherheit. Da es noch keine festen Standards für das Internet der Dinge gibt (oder vielmehr mehrere konkurrierende Standards), bleibt unseren Kunden nichts anderes übrig, als zu raten, wohin die Reise geht. Irgendwann wird eine Entscheidung fallen, aber bis es soweit ist, müssen sich die Kunden mit einigen möglicherweise frustrierenden Kompatibilitätsproblemen abfinden.

Die andere große Herausforderung ist die Sicherheit. Wenn so viele Sensoren und Geräte tagein tagaus gewaltige Datenmengen erzeugen, sind Datenschutz und vertrauliche Informationen einer potenziellen Gefährdung ausgesetzt. Das Sicherheitsproblem existiert nicht nur bei Geräten, sondern auch bei Cloud-Diensten und den riesigen bestehenden Datensammlungen.  

7

Was inspiriert Sie? Wie gehen Sie schwierige Probleme an?

Am meisten inspirieren mich die Leute um mich herum. Ich höre gerne, welchen Standpunkt Leute vertreten, die andere Erfahrungen als ich gemacht haben. Wer Ideen aus scheinbar unzusammenhängenden Bereichen zusammenbringt, entdeckt manchmal Großartiges. Das führt zu besseren Lösungen als denen, die ich allein hätte ersinnen können.

Auch bei wirklich knackigen Problemen, die keine klare Herangehensweise aufzeigen, ist es großartig, mit anderen zu reden – zu schnell übersehe ich sonst einen Aspekt. Nach meinem Abschluss hatte ich einen Vorgesetzten, der allen Mitarbeitern Holzstücke mit seinem Bild darauf gab. Bei Problemen sollten wir „ihm“ einfach davon erzählen. Wenn uns das nicht zur Antwort führte, sollten wir mit anderen Menschen darüber reden. Manchmal hilft es bereits, mit sich selbst etwas durchzusprechen, um das fehlende Puzzleteil zu entdecken.  

8

Warum haben Sie sich entschieden, Ingenieur zu werden?

Ursprünglich wollte ich am College eine Laufbahn im Bereich Kunst und Literatur einschlagen. Ich war nicht sicher, wie ich daraus einen Beruf machen könnte, der mir liegt. Darum habe ich dann ein Jahr lang den Schwerpunkt auf Mathematik gelegt – die lag mir schon in der High School. Ich wusste aber auch nicht wirklich, was ich mit einem Abschluss in Mathe anfangen könnte. Darum bin ich Ingenieur geworden. Als Ingenieur habe ich das Beste aus beiden Welten – ich kann meine kreative Seite ausleben und habe dennoch viel mit der Mathematik zu tun, die ich so mag.  

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Wer Ideen aus scheinbar unzusammenhängenden Bereichen zusammenbringt, entdeckt manchmal Großartiges.

Cognification, zu Deutsch etwa Bewusstwerdung – so bezeichnet Ben Nelson die Idee, dass ein Gerät zumindest teilweise ein Bewusstsein für seine Umgebung hat und anhand dieser Informationen seine Funktionsweise ändert.  Cognification gehört für ihn zu den spannendsten Trends im vernetzten Bauen. „Vor nicht allzu vielen Jahren hatten wir alle Digitalkameras, Mobiltelefone, PDAs, Taschenrechner und vieles mehr als einzelne Geräte. Heute übernimmt ein Smartphone all diese Funktionen. In den nächsten zehn Jahren erwarte ich die Entstehung einer ähnlichen Plattform für Beleuchtung, Brandschutz, Sicherheit, Telefonleitungen, HLK-Anlagen, Internet und weitere Netze, die Gebäude flexibler, effizienter und bewusster machen“, sagt Ben Nelson. Am Anfang seiner College-Laufbahn standen Kunst und Literatur, doch seinen Abschluss machte er an der University of Minnesota in Elektrotechnik. Auf diesem Gebiet konnte er seine Begeisterung für Kreativität und Mathematik kombinieren. Die berufliche Karriere begann beim jetzigen Unternehmen Artesyn Embedded Technologies, wo er AC/DC-Stromversorgungen und Software für die Server- und EDV-Branche entwickelte. Nach seinem MBA-Abschluss schnupperte er in ein Startup für medizinische Geräte hinein und widmete sich dann der Entwicklung und Verwaltung verschiedener Sensorplattformen für die industrielle Automatisierung bei SICK, Inc. Mit dem Ziel, vermehrt im Bereich der Business-Strategie aktiv zu sein und das Wissen aus dem MBA umfassender zu nutzen, wechselte Ben Nelson zu Honeywell ins Produktmanagement. Nach vier Jahren stellte er fest, dass ihm die Nähe zu neuen Technologien fehlte. Er ist davon überzeugt, dass er als Systemarchitekt die perfekte Balance zwischen Business und Technologie gefunden hat. Herr Nelson ist seit Februar 2016 als US-Systemarchitekt für den Bereich Intelligent Buildings bei TE beschäftigt. 

„Das Geheimnis der Innovationen besteht darin, dass wir all unsere neuen Ideen logisch durchdenken und davon lernen.“

1

An welcher Branchenherausforderung arbeiten die Ingenieure von TE derzeit?

Die beste Möglichkeit, Systeme und Geräte zu verbessern, besteht darin, sie intelligenter zu machen. TE hat in den letzten Jahren mehrere Sensorunternehmen übernommen. Das Ziel dabei war, unsere Sensor- und Verbindungstechnologie in einem Peripheriegerät zu vereinen, das Daten an ein größeres System übergibt. Dabei muss man herausfinden, welche Daten für den Kunden den größtmöglichen Wert bedeuten, und wie diese Daten wirklich effizient für die Anwendung des Kunden aufbereitet werden. Dazu überlegen wir, welche Entscheidungen zum Optimieren der Leistung getroffen werden müssen – und worauf diese Entscheidungen beruhen. Ein Beispiel: Mit einem Anwesenheitssensor lässt sich prüfen, ob sich noch Personen in einem Raum befinden. Ist das nicht der Fall, kann das Licht gelöscht werden. Das ist ein wirklich einfaches Beispiel, aber diese Systeme können sehr schnell sehr komplex werden. Wenn zum Beispiel ein Sensor erkennt, ob ein Fenster geöffnet oder geschlossen ist, könnte natürlich ein Mensch entscheiden, das Fenster zum Lüften zu öffnen. In einem vollständig integrierten System kann man anhand dieser Information verhindern, dass die HLK-Anlage sich einschaltet und die Beleuchtung kann an die veränderte Helligkeit im Raum angepasst werden. Auch das Sicherheitssystem wird über das offene Fenster informiert und prüft, ob die Scheibe zerbrochen ist. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, diese Systeme zu implementieren. Wir müssen unbedingt begreifen, worauf diese Entscheidungen beruhen. In unserem Beispiel ist sich die HLK-Anlage des geöffneten Fensters bewusst; aber ist das auch für das Sicherheitssystem der Fall? Die große Herausforderung besteht darin, zu erkennen, wie wir das Maximum aus dem System herausholen und dennoch eine kostengünstige Lösung für den Kunden bieten können. 

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Wie lösen Sie schwierige Kundenprobleme?

Natürlich besteht die erste Herausforderung darin, das Problem wirklich zu verstehen. Meiner Meinung nach beginnt man damit, das Erlebnis und die Erfahrungen des Kunden und möglicherweise seiner Kunden in der Realität zu beobachten. Als Außenstehender erkennt man Dinge, die dem Kunden nicht auffallen, da er eine zu große Nähe zum Problem hat oder einfach die Funktionen und Merkmale der momentanen Lösung als gegeben hinnimmt.

Anschließend müssen die gewonnenen Einsichten mit den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Kunden zur Deckung gebracht werden. Manchmal ist das Problem damit gelöst, aber in anderen Fällen müssen Kompromisse bewertet und verschiedene Lösungen ausprobiert werden, bis die beste Lösung für das Problem gefunden ist. 

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Was finden Sie am interessantesten an der Arbeit bei TE?

Die Kultur der Innovation und des Experimentierens. Wir leben in einer unglaublichen Zeit mit einem noch nie dagewesenen Maß an Konnektivität und Zugriff. Große, börsennotierte Industrieunternehmen stehen alle vor ähnlichen Herausforderungen: Wie schaffen wir weiterhin Werte für unsere Anteilseigner und ziehen Vorteil aus unserer Größe, trotz der ständig drohenden Marktstörung durch kleine, schnelle, anpassungsfähige und innovative Mitbewerber?

TE geht sehr pragmatisch an Innovationen heran. Indem wir selbst ständig neue Dinge ausprobieren, werden wir von dem rasanten Fortschritt weniger gestört. Das Geheimnis besteht darin, dass wir jede dieser neuen Ideen logisch durchdenken und davon lernen. Ich bin gerne Teil einer so dynamischen Umgebung und freue mich darüber, wie wir gemeinsam Fortschritte machen. 

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Wie sieht Ihrer Meinung nach die Konnektivität im Bereich von Gebäuden und Städten in 20 Jahren aus? Und wie in zehn Jahren?

Wir leben im Zeitalter der Nutzungserfahrung. Das heißt, wir nutzen den aktuellen Grad der Vernetzung, um unser Erlebnis zu individualisieren und zu optimieren. Vor nicht allzu vielen Jahren hatten wir alle Digitalkameras, Mobiltelefone, PDAs, Taschenrechner und vieles mehr als einzelne Geräte. Heute übernimmt ein Smartphone all diese Funktionen. In den nächsten zehn Jahren wird eine ähnliche Plattform geschaffen, die Gebäude flexibler und effizienter macht. Rund um diese Plattform gibt es einen gewaltigen Innovationsschub, vergleichbar mit den Apps für das Smartphone. Ganz nach unseren persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen werden wir unsere Umgebung jederzeit anpassen können. Dazu gehört eine Lichtsteuerung, die das Gefühl einer natürlichen Umgebung schafft. Die Anpassung des Lichts an unseren Tagesrhythmus, die von der Anzahl der Personen in einem Raum geregelte Temperatur – es gibt nahezu unendliche viele Möglichkeiten.

In 20 Jahren, sobald also die Innovation im Bereich der intelligenten Plattform für Gebäude und Städte beginnt, nun, das ist ein technologischer Sprung, über den ich kaum spekulieren kann. Ich vermute, dass es sehr viel mehr stark vernetzte Netto-Null-Gebäude geben wird, intelligente Straßenbeleuchtungsnetze, selbstregelnde DC-Mikronetze; die Möglichkeiten sind endlos! 

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Welche Branchentrends finden Sie am interessantesten?

Den ersten Platz belegt die Cognification. Ich bin überzeugt, dass der Begriff des intelligenten oder smarten Gerätes mittlerweile überbeansprucht ist, denn derzeit wird jedes Gerät, das über einen Mikrocontroller und eine Firmware verfügt, so bezeichnet. Als Cognification – zu Deutsch etwa Bewusstwerdung – bezeichne ich die Idee, dass ein Gerät zumindest teilweise ein Bewusstsein für seine Umgebung hat und anhand dieser Informationen seine Funktionsweise ändert.

An zweiter Stelle steht das Teilen, die Sharing Economy. Wir werden weniger Dinge besitzen und vermehrt überall und jederzeit auf Dienste zugreifen können. Das zeichnet sich bereits heute ab: Wir besitzen keine DVDs mehr, sondern streamen Filme. Wir besitzen kein Auto mehr, sondern nutzen Car-Sharing-Dienste oder Mitfahrzentralen. Wir verzichten auf CDs und oft genug auf digitale Musikdateien und nutzen stattdessen Musik-Streamingdienste.

Den Abschluss bildet das Infragestellen. Der rasante Fortschritt und die stark sinkenden Kosten im Bereich der Technologie ermöglichen es uns, alte Probleme von neuen Standpunkten aus zu betrachten. Ich finde hier die Stromnetze ein sehr interessantes Beispiel. Wir denken wieder über ein Gleichstromnetz nach und darüber, alternative Energieformen von der Nachfrageseite anstatt der Versorgerseite anzugehen. Die Verbesserungen bei vielen alternativen Energiequellen waren bisher ziemlich gering, aber die Reduzierung des Stromverbrauchs bei elektronischen Geräten hatte sehr viel größere Auswirkungen. In einigen Fällen ist der Stromverbrauch so gering, dass wir Geräte mittels Energy Harvesting betreiben können – oder dass alternative Energien mehr als genug Energie zur Versorgung des betrachteten Systems liefern.  

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Was sind die größten Herausforderungen der Kunden von TE?

Im Bereich Konnektivität/Internet der Dinge denke ich an zwei große Probleme, nämlich Kompatibilität und Sicherheit. Da es noch keine festen Standards für das Internet der Dinge gibt (oder vielmehr mehrere konkurrierende Standards), bleibt unseren Kunden nichts anderes übrig, als zu raten, wohin die Reise geht. Irgendwann wird eine Entscheidung fallen, aber bis es soweit ist, müssen sich die Kunden mit einigen möglicherweise frustrierenden Kompatibilitätsproblemen abfinden.

Die andere große Herausforderung ist die Sicherheit. Wenn so viele Sensoren und Geräte tagein tagaus gewaltige Datenmengen erzeugen, sind Datenschutz und vertrauliche Informationen einer potenziellen Gefährdung ausgesetzt. Das Sicherheitsproblem existiert nicht nur bei Geräten, sondern auch bei Cloud-Diensten und den riesigen bestehenden Datensammlungen.  

7

Was inspiriert Sie? Wie gehen Sie schwierige Probleme an?

Am meisten inspirieren mich die Leute um mich herum. Ich höre gerne, welchen Standpunkt Leute vertreten, die andere Erfahrungen als ich gemacht haben. Wer Ideen aus scheinbar unzusammenhängenden Bereichen zusammenbringt, entdeckt manchmal Großartiges. Das führt zu besseren Lösungen als denen, die ich allein hätte ersinnen können.

Auch bei wirklich knackigen Problemen, die keine klare Herangehensweise aufzeigen, ist es großartig, mit anderen zu reden – zu schnell übersehe ich sonst einen Aspekt. Nach meinem Abschluss hatte ich einen Vorgesetzten, der allen Mitarbeitern Holzstücke mit seinem Bild darauf gab. Bei Problemen sollten wir „ihm“ einfach davon erzählen. Wenn uns das nicht zur Antwort führte, sollten wir mit anderen Menschen darüber reden. Manchmal hilft es bereits, mit sich selbst etwas durchzusprechen, um das fehlende Puzzleteil zu entdecken.  

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Warum haben Sie sich entschieden, Ingenieur zu werden?

Ursprünglich wollte ich am College eine Laufbahn im Bereich Kunst und Literatur einschlagen. Ich war nicht sicher, wie ich daraus einen Beruf machen könnte, der mir liegt. Darum habe ich dann ein Jahr lang den Schwerpunkt auf Mathematik gelegt – die lag mir schon in der High School. Ich wusste aber auch nicht wirklich, was ich mit einem Abschluss in Mathe anfangen könnte. Darum bin ich Ingenieur geworden. Als Ingenieur habe ich das Beste aus beiden Welten – ich kann meine kreative Seite ausleben und habe dennoch viel mit der Mathematik zu tun, die ich so mag.