Wie COVID-19 die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen verstärkt

Einblicke aus Sicht der Unternehmensleitung

Wie COVID-19 die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen verstärkt

Autor: Sameer Pagnis, President, Global Automotive, TE Connectivity

Ich glaube, dass jede Krise eine Chance darstellt. Auf dem Höhepunkt der Pandemie sahen wir, wie Fabriken schlossen und Lieferketten zum Stillstand kamen. Es traf uns alle unvorbereitet, aber wir haben einen Silberstreif am Horizont gefunden. Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge der wundersamen Heilung der Natur. Es wurden digitale Innovationen für Verbraucher und Unternehmen, die unter normalen Umständen fünf Jahre in Anspruch genommen hätten, in den ersten zwei Monaten der Pandemie umgesetzt, und die Unternehmen bleiben auch während der Krise weiterhin innovativ.

 

Jetzt, da wir in der Zukunft angekommen sind, fragen wir uns: Wohin hat uns das vergangene Jahr gebracht, technologisch und kulturell? Zu Beginn der Pandemie war die Meinung vorherrschend, dass nachhaltige Initiativen wie die Elektrifizierung hinter den unmittelbaren, kurzfristigen wirtschaftlichen Prioritäten zurückstehen würden. In der Realität haben wir jedoch eine kontinuierliche Einführung von Elektroantrieben erlebt, die durch eine Kombination aus behördlichen Maßnahmen und einem raschen Anstieg der Verkaufszahlen im Einzelhandel angetrieben wurde. Tatsächlich sind die Verkäufe von Elektroautos im letzten Jahr insgesamt um 43 % gestiegen, und bei TE verzeichneten wir bei unseren Kunden trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert waren, einen Anstieg der Elektroautoproduktion um 12 %.

 

Als President des Segments Global Automotive von TE Connectivity, einem weltweit führenden Anbieter von Lösungen für Verbindungslösungen sowie Hybrid- und Elektromobilität (HEMS), kann ich mit Überzeugung sagen, dass COVID-19 die bereits wachsende Überzeugung des Marktes von Elektrofahrzeugen (EVs) als Zukunft der Automobilbranche verstärkt hat. Trotz der Störungen, die COVID-19 mit sich brachte, stehen wir am Rande einer deutlichen Beschleunigung in dieser Branche.

Die Signale des Marktes waren nie deutlicher. Die Wette ist sicher, und die Zeit ist jetzt.
Die Signale des Marktes waren nie deutlicher. Die Wette ist sicher, und die Zeit ist jetzt.

Eine Brücke in die neue Ära der Elektrofahrzeuge

Wir sind gerade dabei, die Brücke zu überqueren irgendwo zwischen einer Flotte, die überwiegend mit Verbrennungsmotor (ICE, Internal Combustion Engine) betrieben wird, und einer Flotte, die hauptsächlich elektrisch operiert. Niemand weiß genau, wie lang diese Brücke sein wird – vor allem, wenn man sich das ungleiche Tempo der Veränderungen in den einzelnen Regionen des globalen Marktes vor Augen führt –, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass diese Brücke immer kürzer wird, und zwar schnell.

 

Der Hauptgrund dafür ist, dass jetzt – und das ist zum ersten Mal der Fall – Politik, Verbrauchernachfrage und Technologie zusammenlaufen, was zu einer scharfen „S-Kurve der Akzeptanz in den kommenden Jahren führen wird.

 

Bis vor Kurzem fühlte sich der Übergang zu Elektrofahrzeugen für viele wie eine unsichere Wette an, oder vielleicht wie etwas, das in ferner Zukunft geschehen wird. Die Politik war für die OEMs belastend, die Technologie war teuer, die Umsatzrenditen waren gering und die Stimmung der Verbraucher gegenüber Elektrofahrzeugen ließ sich allenfalls als lauwarm beschreiben.

 

Heute erleben wir einen signifikanten Sinneswandel bei unseren Kunden. Auf der ganzen Linie investieren sie in Elektrofahrzeuge, lenken ihre Zukunftspläne weg von Verbrennerfahrzeugen und machen bahnbrechende öffentliche finanzielle Zusagen für die Elektrifizierung.

 

In Gesprächen mit Kunden – egal ob es sich um Volkswagen, GM, BMW, die Geely Group oder andere handelt – ist die Botschaft dieselbe: Die Signale des Marktes waren nie deutlicher. Die Wette ist sicher, und die Zeit ist jetzt.

Weißes Elektro-SUV auf einem Hügel, mit Windmühlen im Hintergrund
Auf der ganzen Linie investieren unsere Kunden in Elektrofahrzeuge, lenken ihre Zukunftspläne weg von Verbrennerfahrzeugen und machen bahnbrechende öffentliche finanzielle Zusagen für die Elektrifizierung.

Da Regulierungsbehörden, Verbraucher und OEMs alle dieselbe Überzeugung teilen, wird sich die Geschwindigkeit dieses Übergangs nur beschleunigen. Heute stehen Elektrofahrzeuge an der Schwelle zu einem Anteil von etwa 10 % an der gesamten weltweiten Automobilproduktion. Aber wenn man bedenkt, dass wir allein im nächsten Jahr von einem Anstieg von 50 % im Vergleich zum Vorjahr bei den Elektrofahrzeugen ausgehen und über das nächste Jahrzehnt konstant zweistellige jährliche Zuwachsraten erwarten, dann ist das potenzielle Tempo der Veränderung bei der Einführung von Elektrofahrzeugen atemberaubend.

 

Aber die OEMs können diesen Weg nicht alleine gehen. Bei so viel Arbeit und so wenig Zeit brauchen OEMs strategische Partner, die eine innovative Denkweise sowie ein tiefes Verständnis für ihre Herausforderungen und Möglichkeiten ebenso mitbringen wie Lösungen für Hindernisse und Vertrauen in das langfristige Potenzial der EV-Technologie. Die Lieferanten müssen ihre Produkte und ihr Know-how schnell und flexibel bereitstellen – in Abstimmung mit der schnelllebigen Forschung und Entwicklung, die bei den OEMs stattfindet.

 

TE unterstützt Kunden bereits bei diesem Übergang. In den letzten zehn Jahren haben wir konsequent ein vielfältiges Portfolio an Produkten und – ganz wichtig – Fähigkeiten aufgebaut, mit denen wir uns von der Konkurrenz abheben. Mit einem vielfältigen, flexiblen Portfolio an Verbindungslösungen und einem tiefen Pool von Engineering-Experten, die gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen entwickeln, sind wir bereit für diese spannende Herausforderung.

Optimistischer Ausblick für Elektrofahrzeuge: Beschleunigt durch Konnektivität

Dieser lang erwartete und dynamische Wendepunkt in der Automobilindustrie ist zu einem großen Teil auf die Innovationen zurückzuführen, die auf der Ebene von Steckverbindern stattfinden.  Die Forschung und Entwicklung, die in den letzten zehn Jahren hinter den Kulissen stattgefunden hat, hat uns an einen Punkt gebracht, an dem die Masseneinführung von Elektrofahrzeugen nicht nur möglich ist, sondern bereits stattfindet.

 

Ein Beispiel hierfür ist die Art und Weise, wie Konnektivitätslösungen bereits ein Hauptproblem bei der weltweiten Markteinführung von Elektrofahrzeugen angehen: die Angst vor zu geringer Reichweite. Eine Überlegung ist die Energiedichte der Batterie. OEMs benötigen flexible Konnektivitätslösungen zur Verbindung von Zellen und Modulen, damit sie ihre Plattformen weiterentwickeln können, ohne ständig in die Neuanpassung ihrer Entwicklungsprozesse investieren zu müssen. So können sie den Vorschriften und der sich schnell ändernden Verbraucherstimmung gerecht werden. Konnektivität bietet hierfür eine Lösung. Das chinesische EV-Startup NIO Inc. beispielsweise, ein Kunde von TE, hat eine Batterie entwickelt, die mit einer einzigen Ladung bis zu 1.000 Kilometer weit reicht.

 

Allerdings geht es bei der Reichweitenangst nicht ausschließlich um die Batteriedichte. Eine effiziente Energieverteilung vom Ladeeingang über die Batterie bis zum E-Motor sowie das Wärmemanagement sind wichtige Faktoren, bei denen Konnektivität eine Schlüsselrolle spielt. TE geht dieses Problem mit unserer High-Power-Charging (HPC) Inlet-Lösung an. HPC kann 350 kW DC-Ladeleistung bei Strömen von bis zu 500 Ampere umfassen, was den höchsten Lastzustand für das gesamte elektrische System in einem Elektrofahrzeug darstellt. Die Ermöglichung einer Spitzenlast von 350 kW Ladeleistung erfordert einen anderen Ansatz bei der Auslegung der elektrischen Komponenten. Wir entwickeln eine neue Methodik, die den durch die Komponenten und die Wärmeverlustleistung im System verursachten Temperaturanstieg jederzeit dynamisch bestimmt.

Die Verantwortlichen des Segments Automobile von TE haben in Erwartung dieses Moments erheblich investiert. Wir simulieren die Fähigkeit unserer Produkte, in rauen Umweltbedingungen zu bestehen, und haben unsere Lösungen in Situationen mit hoher thermischer Belastung rigoros getestet. Diese Tests schaffen Vertrauen in unsere Lösungen und ermöglichen es unseren OEM-Kunden, noch größere Pläne zu haben, wenn es darum geht, die nächste innovative EV-Technologie der Welt zu entwickeln und zu vermarkten. Mit einem der umfangreichsten Produktportfolios auf dem Markt ermöglichen wir die Elektrifizierung und geben unseren Kunden die Möglichkeit, neue Anwendungen und Produkte zu entwickeln – und das in einer unübertroffenen Breite und Größenördnung.

 

Bei TE sind wir stolz darauf, gemeinsam mit unseren Kunden innovativ zu sein. Wir verstehen die einzigartigen Herausforderungen der OEMs von heute, einschließlich knapper Budgets und noch knapperer Zeitvorgaben, die es nicht erlauben, Fahrzeuge ständig zu überarbeiten. Unternehmen müssen entscheiden, wo sie Ressourcen einsetzen. Wir sind global aufgestellt und architekturunabhängig. Das bedeutet, dass wir – im Gegensatz zu anderen Anbietern in diesem Bereich – über eine einzigartige Flexibilität verfügen, um maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, die direkt auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind.

 

Jetzt, da sich die Automobilindustrie an einem historischen Wendepunkt befindet, zahlt sich unser differenzierter Ansatz aus. Die globale Größe von TE Connectivity und das Engagement für wirklich strategische Partnerschaften ermöglichen es uns, den Schritt in Richtung einer elektrischen Zukunft zu unseren Gunsten nutzen.

Über den Autor

Sameer Pagnis, President, Global Automotive

Sameer Pagnis

Sameer Pagnis ist President des globalen Automobilgeschäfts von TE. Er ist verantwortlich für die Produktivität, Qualität, Portfoliomanagement, globale Preisgestaltung und neue Markteinführungsstrategien des Autoteams. Sameer ist seit 20 Jahren bei TE und leitete zuvor unsere Automotive-Americas-Organisation, war Chief Strategy Officer von TE und General Manager für unsere Geschäftsbereiche industrielles und gewerbliches Verkehrswesen (ICT) und Verarbeitungswerkzeuge (Application Tooling).