Der Snowden-Effekt

Trend

Sind dezentrale Rechenzentren die Zukunft?

Phil Gilchrist, VP und CTO von TE Connectivity (TE), spricht über die weltweiten Herausforderungen hinsichtlich der Sicherheit bei Datenspeicherung in der Cloud.

Eine äußerst reale politische Dynamik

Wie auch immer man zur Veröffentlichung von Informationen über die Datenerfassungstechniken des US-Geheimdiensts durch Edward Snowden steht: Sein Vorgehen wirkt sich unzweifelhaft darauf aus, wo unsere Daten zukünftig gespeichert werden, und wie auf sie zugegriffen wird. Nach dem ersten Schock, dass so viel dessen, was wir schreiben, speichern und empfangen, eingesehen werden kann, denken Regierungen auf völlig neue Weise über das Thema Sicherheit nach. Zentralisierte Daten sind tatsächlich eine sehr machtvolle Ressource. Noch mächtiger ist die wirtschaftliche Dynamik hinter den riesigen Rechenzentren in den USA, die bekannten Cloud-Unternehmen gehören, sich in der Nähe billiger Energiequellen befinden und mit äußerst leistungsstarken Glasfaserkabeln mit der Welt verbunden sind. Mit über 250.000 Servern an einem einzigen Standort und einem erwarteten Wachstum auf eine Million Server kann die physische Präsenz dieser Strukturen als das achte „Internetweltwunder“ angesehen werden. Doch was geschieht, wenn Regierungen das Vertrauen in die Datensicherheit verlieren und ihre und die Daten ihrer Bürger nicht ausländischen Unternehmen anvertrauen möchten? Benötigt die Cloud dann „Ländercodes“? Es lässt sich nicht bestreiten, dass dies eine äußerst reale politische Dynamik ist, die unsere Sichtweise der Cloud verändern wird.

Sicher

Personalisierte Sicherheitslösungen?

Lokal

Neue Geschäftschancen?

Schnell

Schnelles Verschieben großer Datenmengen

Dezentralisieren

Ein Netzwerk aus „Schließfächern“

Die Menschen werden sichere „Schließfächer“ für Ihre Daten fordern. Personalisierte Sicherheitslösungen eröffnen hohe Ertragschancen, wenn diese den Zugriff komplett auf den Dateneigentümer beschränken; wenn er sich nicht auf das Versprechen des Inhabers Cloud-Anwendung verlassen muss, weder zu spähen noch zu fischen oder Data Mining durchzuführen. Die höchste Stufe der Sicherheit sind persönliche Server mit vollständiger Kontrolle. Die alles durchdringende, konzeptionelle, allwissende Cloud wird möglicherweise durch ein Netzwerk verbundener persönlicher „Schließfächer“ abgelöst, die den jeweiligen Kunden gehören und nur ihnen Zugriff gewähren. Die umfassende, dezentralisierte Antwort auf den Snowden-Effekt. 

Lokale Speicherung

In einem Rechenzentrum in Ihrer Nähe

Regierungen werden fordern, dass ihre und die Daten ihrer Bürger lokal im Land verbleiben. Die Sicherheitswirkung dieses Konzepts lässt sich angesichts der Tatsache bezweifeln, dass die zurückgelegten Wege der in das Web geladenen Daten nicht vorhersehbar sind. Hacker greifen Rechenzentren vom anderen Ende der Welt aus an, wo sie selbst nach ihrem Auffliegen nicht befürchten müssen, gefasst zu werden. Deep-Web-Tools wie das TOR-Projekt (The Onion Routing) sind Allgemeingut und ich bin überzeugt, dass noch weitere, weniger bekannte Tools verfügbar sind. Dennoch wünschen sich Regierungen Rechenzentren in physischer Nähe ihrer Bürger. Dies ist eine neue und möglicherweise machtvolle Dynamik, die nationalen Diensterbringern und Ausrüstungsanbietern neue Möglichkeiten eröffnet. 

Schnelle Verbindungen

Zusammenschaltungslösungen: der Wegbereiter im Hintergrund

Ob die Entwicklung nun in eine umfassende Dezentralisierung oder eine rasche Umstellung auf inländische Rechenzentren mündet – es wird deutlich, dass die Zusammenschaltungslösungen – also Verbindungen zwischen Servern, Switches und Datenspeicheranlagen – der eigentliche Wegbereiter im Hintergrund sind. Die technischen Möglichkeiten dieser wichtigen Komponenten erfahren eine erhebliche Steigerung. Sie verschieben unbemerkt im Hintergrund große Datenmengen zwischen der Ausrüstung. Es handelt sich um standardisierte und nicht standardisierte Kupfer- und Glasfaserverbindungen verschiedenster Art und Leistung. Die ideale Zusammenschaltung ist preiswert, möglichst klein, zuverlässig und bietet eine große Bandbreite. Zudem kann sie sowohl über Entfernungen von nur wenigen Zentimetern als auch über Hunderte von Metern kommunizieren.

Geht die Entwicklung zu einer zentralisierten oder dezentralisierten Cloud? Welche weiteren geopolitischen oder Sicherheitsaspekte werden die Form der Cloud beeinflussen?
Phil Gilchrist,
Vice President und Chief Technology Officer

Die Dezentralisierung der Cloud könnte eine nachhaltige Folge des Snowden-Effekts sein. Im Lauf der Zeit könnten Lösungen nicht nur in den bereits dezentralisierten Rechenzentren eingesetzt werden, sondern auch in sämtlichen Bereichen, in denen Komponenten verbunden werden müssen: seien es die daten- und leistungsintensiven, über das Internet der Dinge vernetzten Häuser und Wohnungen der Zukunft, in denen dezentralisierte und sicherere Daten zwischen Infotainmentgeräten übertragen werden, oder Fahrzeuge, die mit umfangreichen Kontroll- oder Unterhaltungssystemen ausgerüstet sind.