Connected Home und Internet der Dinge

Trend

Erkenntnisse von der CES 2016

Immer im Januar treffen sich Fachleute aus der Verbraucherelektronik in Las Vegas auf der Messe Consumer Electronics Show (CES) in der Hoffnung, die nächste großartige Idee zu sehen, durch die die Zukunft der Verbraucherprodukte gestaltet wird. Von Terrence Murphy, Director of Business Development, TE Appliances

Auf der CES 2016 stellten hunderte Unternehmen auf einem eigenen Marktplatz für das Connected Home neue Lösungen vor. Diese Lösungen kamen von Elektronikherstellern und kleineren Startup-Firmen sowie Unternehmen für Steuerungsplattformen und Software mit Lösungen für das Connected Home. Das zugrunde liegende Thema bei allen Lösungen waren mehr Geräte zuhause mit einfacher und erweiterter Konnektivität. Nachfolgend möchte ich über drei Chancen und Trends in Bezug auf das Connected Home sprechen, die mir bei den Gesprächen, Präsentationen, Diskussionsforen und Demos während der Messe aufgefallen sind.

Marktakzeptanz

Das Ökosystem des Connected Home befindet sich in einem frühen Stadium und die Anwendung auf Produkte ist noch niedrig.

Überrascht hat mich, dass 85 % aller Hausbesitzer überhaupt kein Heimsteuerungssystem (Hub oder Plattform) besitzen und nur 10 % ein Heimsicherheitssystem, das andere Geräte regeln kann. Gerade einmal 5 % nutzen ein Steuerungssystem, das von einem Sicherheitssystem oder einer anderen Plattform dieses Ökosystems unabhängig ist. Die wesentliche Chance scheint darin zu liegen, dem Verbraucher den vorgeschlagenen Wert eindeutig zu formulieren. Und auch in der Notwendigkeit, dass sich die Geräte an die Verbraucher und ihre jeweiligen Bedürfnisse anpassen, und nicht die Verbraucher an die Geräte. Hier gibt es noch viel zu tun; die gute Neuigkeit für uns ist, dass wir uns in einem frühen Stadium befinden. Das gibt uns die Gelegenheit, den Verbrauchern Lösungen für diese Herausforderungen zu bieten. 

Die wesentliche Chance scheint darin zu liegen, dem Verbraucher den vorgeschlagenen Wert eindeutig zu formulieren.
Chancen auf dem Marktplatz des Connected Home.

Verbraucherwahrnehmung

Die Verbraucher sind verwirrt: der Unterschied zwischen dem Smart Home und dem Connected Home muss klargestellt werden.

Obwohl viele und auch immer mehr Unternehmen vernetzte Produkte für zuhause auf den Markt bringen und irgendwie alle an einer Lösung der notwendigen Geräte-Interoperabilität arbeiten oder darüber sprechen, scheint es der Industrie schwer zu fallen, dem Verbraucher ein klares Wertangebot zu machen, das einfach zu verstehen ist – oder in dem wenigstens die Wertchancen klarer zum Ausdruck kommen. Auch wenn es viele Lösungen gibt, die eine große Vielzahl von Aufgaben erfüllen, stellt sich bei deren Nachweis die Frage: Denken die Verbraucher an den Wert der Interoperabilität, wenn sie ihre ersten Produkte auf diesem Gebiet kaufen? Wenn ein Verbraucher beschließt, in einen Laden zu gehen, um sein erstes intelligentes Thermostat und eine intelligente WiFi-Kamera zu kaufen, hat die Interoperabilität zwischen nur zwei Geräten vielleicht nicht oberste Priorität. Die meisten Verbraucher kaufen ein spezifisches Produkt für ein spezifisches Bedürfnis, wenn sie diesen Bereich zum ersten Mal betreten, und sie kaufen nicht gleich für ihr gesamtes Ökosystem. Vielleicht müssen aber die Bedeutung und der Wert der Interoperabilität klar formuliert und gelöst werden, damit die Verbraucher an eine Ausweitung im gesamten Ökosystem nachdenken. Und es muss eine nahtlose und erschwingliche Erfahrung sein. Wenn der Verbraucher Schwierigkeiten hat, sich für ein Produkt zu entscheiden, weil nur schwer zu erkennen ist, welche Produkte miteinander funktionieren können, oder wenn seine Möglichkeiten auf spezifische Hersteller beschränkt sind, oder wenn seine vorhandenen Produkte sich nicht mit den neuen Produkten verbinden lassen, bremst die Ausweitung auf das gesamte Ökosystem aus. Wie können also wir als Ingenieure unser Blickfeld erweitern und diese Perspektive in unseren Lösungen aufnehmen.

Das Connected Home bietet fortschrittliche Vernetzung und integrierte Automatisierung.
Denken die Verbraucher überhaupt an die Interoperabilität, wenn sie ihre ersten Produkte kaufen und dieses Gebiet zum ersten Mal beschreiten?

Selbst die einfachsten Fragen sorgen für Verwirrung: Was machen diese Produkte überhaupt? Wie können sie mir nützen? Und bei welchen Arbeiten oder Routinen bei mir zuhause? Soll ich wirklich Geld für einen intelligenten Stecker ausgeben, um eine Tischlampe von meinem Telefon aus einzuschalten? Was bringt mir das? Das allgemeine Empfinden ist, dass die breite Masse den Unterschied zwischen Smart Home und Connected Home nicht genau benennen kann. Grundsätzlich gibt es heute einfach zu viel Fachjargon. Generell sind die aktuellen Verwendungsbeispiele aber weder kurz und bündig genug und auch nicht klar formuliert. Und darin liegt die Chance: Die Unternehmen, die sich auf diesem Gebiet durchsetzen, sind die, die diesem Zustand der Verwirrung ein Ende bereiten und klar formulieren, wie ihre Lösung mit der Zeit Wert schaffen, in Form von Zeit oder Geld. 

Die Unternehmen, die sich auf diesem Gebiet durchsetzen, sind die, die diesem Zustand der Verwirrung ein Ende bereiten und klar formulieren, wie ihre Lösung mit der Zeit Wert schaffen, in Form von Zeit oder Geld.

Marktchancen

Die Geräte müssen Routinen schaffen – und Wert!

Bei den Präsentationen und Produkten, die ich gesehen habe, wurde mir eine Frage nicht beantwortet: Können Geräte lernen, sich über Smartphone-Apps hinaus bewegen, und eine weitergehende Vernetzung als schlichte Steuerungs- und Überwachungsfunktionen bieten? Mir geht es im Grunde darum, dass Verbraucher ihre alltäglichen Routinen proaktiv mit auslösbaren technischen Kapazitäten lenken können müssen, die Aktionen gemäß ihren eigenen Routinen und Lebensstilen auslösen: Temperatur einstellen, Türen verriegeln, Kaffeekochen um 5.35 Uhr beginnen, proaktives Steuern des Energieverbrauchs usw. Die Chance besteht meiner Meinung nach für jene Unternehmen, die Produkte schaffen können, die den Verbrauchern ermöglichen, ihre eigenen Routinen zu automatisieren. Wenn es ihnen gelingt, dies anzubieten, wird dies sehr wahrscheinlich zu einer sehr großen Akzeptanz führen. Der Trick beim Marketing für das Connected Home – wie beim Nest® Learning Thermostat™ – besteht darin, wie man es vermittelt: Nest wird als ein lernfähiges Gerät vermarktet, ein Gerät, das sich so gut an Ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche in Bezug auf das Klima bei Ihnen zuhause anpasst, dass Sie Ihren Thermostat im Grunde nicht mehr bedienen müssen. Es wurde nicht einfach nur als ein weiteres intelligentes oder vernetztes Thermostat für die eigenen vier Wände beworben, das Sie ferngesteuert mit Ihrem Smartphone einstellen (oder ein-/ausschalten) können.

Der Marktplatz für das Connected Home war beeindruckend und hat die Richtung gezeigt, in die sich diese Industrie bewegt. Am Interessantesten an der CES 2016 für mich waren die anderen Connected-Marktplätze, besonders der für Gesundheitswesen: er war etwas größer als der für das Connected Home. Das zeigt, dass die Unternehmen die Idee der Vernetzung erweitern, um alle Bereiche abzudecken, an denen Verbraucher interessiert sind. Besonders hervorzuheben sind die Produkte für die häusliche Krankenpflege: bei vielen ging es vor allem darum, durch Wearables Vernetzung zu ermöglichen. Diese Ausrichtung auf Gesundheit und Vernetzung in der Krankenpflege und -versorgung erstreckt sich auch auf Fitness- und Trainingsgeräte. Außerdem war auch die Automobilindustrie stark vertreten und zeigte eine große Vielfalt an Automobiltechnologien. Robotik (für zuhause und die Fabrik), Drohnen, virtuelle Realität und 3D-Druck wurden ebenfalls in den zahlreichen Veranstaltungen auf der Messe präsentiert. (Besonders überrascht war ich von der Größe der Stände und Vielfalt der Angebote der traditionellen Kamera- und Druckerhersteller.) Mit Blick auf die Zukunft scheint es so, dass alle Produkte, auf die wir uns als Verbraucher im Alltag verlassen, mit der Revolution des Internets der Dinge neu erfunden werden, und dies eben durch fortschrittliche Vernetzung möglich gemacht wird.